grafzahl – „der rückzug ins private“ – VÖ: 10.05.13 & Cliquenedition #5, „shaker“, „Weißer Wal“

Blue und ich // April 2013

grafzahl – „der rückzug ins private“
Nach der Releaseparty. Bedeutet bei uns: vor der Veröffentlichung. – Das neue Album von grafzahl „der rückzug ins private“ lag zwar pünktlich zu den beiden Releasekonzerten auf dem Merchtisch, die Scheiben kamen aber auch quasi direkt aus dem Presswerk. Wie wir eben so sind.

Um die Platte nun, wohlverdient, auch in die Läden bringen zu können, brauchen wir ein paar Wochen Vorlaufzeit. Auch wenn wir das immer gerne vergessen wollen, der Musikmarkt folgt festen Regeln. Au weia. „Der Rückzug ins Private“ wird physisch nur in der Kombination LP+CD angeboten. VÖ-Termin für LP+CD/Digital ist nun der 10.05.13!

„Und natürlich ziehen grafzahl trotzdem nicht (auch wenn sie es könnten!) mit dem Quarterback ab. Im Gegenteil, sie fummeln mit all den Nerds, die es bis hierhin geschafft haben und die, die nachgerückt sind. Die Texte erzählen vom Überflüssigsein, vom Draußenstehen und was man damit anfängt. Auch wenn man es selbst nicht weiß.Lauter kleine und große Slogans, lauter tolle neue Stücke. Lauter! Danke Euch.“ – L. Volkman
grafzahl // “der rückzug ins private” // LP+CD // TW/Broken Silence // VÖ: 10.05.13

grafzahl – “shaker”
grafzahl sind in der Spiellaune ihres Lebens und in dieser Single steckt so unglaublich viel Liebe zum (ästhetischen und soundtechnischen) Detail! Gerade die wunderbar klare, druckvolle und wuchtige Produktion bringt – auf wundersame Weise in Einklang mit dem rumpelig-charmanten Klang der Grafen – die Sache zum Schwingen. Die Gitarren und Bässe zwingen uns in den Sound. Dies hier handelt von dir und von mir. Es heißt, ein guter Rat sei teuer – dieser hier nicht: Bitte kauft diese Single und das kommende Album! Es könnte sich was ändern und dies hier lässt eine Ahnung davon erspüren. “nur erdbeereis” ist nicht auf dem Album.
grafzahl // “shaker” – “nicht immun” (A) / “nur erdbeereis” (B) // 7″ // TW/Broken Silence // VÖ: 15.02.13 / Digital: 15.03.13

Bum Khun Cha Youth vs. Amen 81 – Cliquenedition #5
Das große Finale! Vorsicht, der Knall! Bum Khun Cha Youth teilen ihren pummeligsten Hit aus. “Die lieben Bienen”. Blümchen hat uns nie ihren Busen gezeigt. Das ist ihr gutes Recht. Aber wir stellen ihn uns vor wie dieses Stück. Amen 81 aus Nürnberg sehen die Welt natürlich durch andere Augen. Hass, Hass, Antideutsch, Kampfsport! Das und Familie sind die Trigger der drei Franken. Schon ewig im Game, blutunterlaufender Hardcore. Die hier schon wirklich obszöne Differenz der beiden Stücke, ist so das Tollste in dieser Split-Singlereihe.
Cliquenedition #5 // BKCY – “Die lieben Bienen” vs. Amen81 – “Millions of Bonds of Friendship” // Split 7″ // TW/F13/Broken Silence // VÖ: 01.03.13

Daniel Decker – „Weißer Wal“
„Es ist hier, es ist da, es war immer schon hier“ – Für diesen Sommer angedacht ist nun auch der Release „Weißer Wal“ von Daniel Decker aka Kotzendes Einhorn. Er hatte sich eine längere Auszeit genommen, nun aber zu Beginn des Jahres 2013 wieder erste Konzerte gespielt. Es kann also wieder losgehen. So wie es ausschaut, wird es das Album nur als LP und Download geben. Die Songs sind fertig, das Artwork steht. Releasetermin kommt asap.
Daniel Decker // „Weißer Wal“ // LP & Digital // TW/Broken Silence // VÖ: tba

Sobald die o. g. Scheiben offiziell raus sind, gibt es diese entweder beim Plattenhändler eures Vertrauens, in unserem Shop (bald), oder digital z. B. bei Finetunes. „shaker“ zusätzlich auch noch hier, direkt von den Grafen. Beide Singles kommen mit Downloadcode.

Es gilt: interessierte Menschen, die evt. etwas zu den Veröffentlichungen schreiben möchten, melden sich doch bitte unter info@tumbleweedrecords.de Es gibt eine schicke Seite mit Streams/Downloads und Tonträger, die zur Promotion verschickt werden können.

„Der Rückzug ins Private“ – 08. & 09.03.13 – Vielen Dank!

"Der Rückzug ins Private" - 08. & 09.03.13

Neue 7″ Veröffentlichungen: BKCY – CLIQUENEDITION #5 & GRAFZAHL – “shaker”

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Die Kleinschreiber und Herr Volkmann legen nach. – Ich bin wieder mal verstrickt in zwei neue Veröffentlichungen. Diese wollen, wie immer, auch beworben werden. Daher gilt: interessierte Menschen, die evt. etwas darüber schreiben möchten, melden sich doch bitte unter info@tumbleweedrecords.de Es gibt eine schicke Seite mit Streams/Downloads und ein paar wenige Singles, die zur Promotion verschickt werden können.

Sobald die beiden Scheiben offiziell raus sind, gibt es diese entweder beim Plattenhändler eures Vertrauens, in unserem Shop (bald), oder digital z. B. bei Finetunes. „shaker“ zusätzlich auch noch hier, direkt von den Grafen. Beide Singles kommen mit Downloadcode.

Cliquenedition #5 – Split-7″ – Bum Khun Cha Youth vs. Amen 81

Das große Finale! Vorsicht, der Knall! Bum Khun Cha Youth teilen ihren pummeligsten Hit aus. „Die lieben Bienen“. Blümchen hat uns nie ihren Busen gezeigt. Das ist ihr gutes Recht. Aber wir stellen ihn uns vor wie dieses Stück. Amen 81 aus Nürnberg sehen die Welt natürlich durch andere Augen. Hass, Hass, Antideutsch, Kampfsport! Das und Familie sind die Trigger der drei Franken. Schon ewig im Game, blutunterlaufender Hardcore. Die hier schon wirklich obszöne Differenz der beiden Stücke, ist so das Tollste in dieser Split-Singlereihe.

Cliquenedition #5 // BKCY – „Die lieben Bienen“ vs. Amen81 – „Millions of Bonds of Friendship“ // Split 7″ // TW/F13/Broken Silence // VÖ: 01.03.13

grafzahl – 7″ – „shaker“

grafzahl sind in der Spiellaune ihres Lebens und in dieser Single (ein schöner Vorgeschmack auf das bald erscheinende neue Album „Der Rückzug ins Private“) steckt so unglaublich viel Liebe zum (ästhetischen und soundtechnischen) Detail! Gerade die wunderbar klare, druckvolle und wuchtige Produktion bringt – auf wundersame Weise in Einklang mit dem rumpelig-charmanten Klang der Grafen – die Sache zum Schwingen. Die Gitarren und Bässe zwingen uns in den Sound und wabern keinen Breit mehr, wie bei früheren Produktionen, und der Hit: Christian Schneiders Schlagzeug, seine perkussive Aktionskunst klingt erstmals wütend (ja, richtig gehört: wütend!). Dies hier handelt von dir und von mir. Es heißt, ein guter Rat sei teuer – dieser hier nicht: Bitte kauft diese Single und das kommende Album! Es könnte sich was ändern und dies hier lässt eine Ahnung davon erspüren. „nur erdbeereis“ ist nicht auf dem kommenden Album.

grafzahl // „shaker“ – „nicht immun“ (A) / „nur erdbeereis“ (B) // 7″ // TW/Broken Silence // VÖ: 15.02.13 / Digital: 15.03.13

Neuigkeiten von Kiesgroup, Bum Khun Cha Youth & Grafzahl

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+++ KIESGROUP +++Rezensionen sind ja immer so eine Sache, eigentlich ein Relikt aus vergangenen Zeiten, andererseits Gradmesser und wichtig für die Verbreitung der jeweiligen Veröffentlichung. Trotz einer nicht zu leugnenden Abstumpfung gegenüber medialen Rückmeldungen, freue ich mich immer wieder etwas zu lesen und mich daraufhin verstanden zu fühlen. In diesem Fall der geschätzte Kollege Benjamin Walter. Er ist übrigens auch der Regisseur des 2008 erschienen Kurzfilms „Der Raucherraum“ . Uraufgeführt auf der Frankfurter Musikmesse, zeigte damals dieses erschütternde Zeitdokument, wohin Pop wirklich führt. Später mehrfach dafür ausgezeichnet, hält Walter hier die Kamera drauf, immer dann, wenn es wehtut. Gar nicht schonungslos ist hingegen seine einfühlsam formulierte und auf den Punkt gebrachte Rezension zum Kiesgroup-Album „Shantychrist“ in der neuen April Intro. +++ BKCY +++ Das Artwork für die Cliquenedition #3 habe ich schon irgendwo gesehen. Wahrscheinlich haben die schon alles geschickt. Muss heute mal meine Mails lesen. Linus schimpft bestimmt schon. +++ GRAFZAHL +++ Florian ist gerade mit seinem rockigen Seitenprojekt in der Schweiz um ein Doppelalbum aufzunehmen. Der Rest, Henni und Herr Schneider, bastelt gerade am Artwork für das neue Album der Grafen. Das ich das noch mal erleben darf. Ach ja, natürlich wollen Grafzahl noch irgendwelchen Hörspielkram zwischen die Stücke packen, ich befürchte daher, die Platte kommt nicht vor 2013. Immerhin sind nur noch zwei Titel für das Album in der Auswahl: „Der Rückzug ins Private“ & „Kann Spuren von Zahntechniker enthalten“ Abgesehen davon wird es das Teil nur als Vinyl mit CD-Beilage geben.

„Der Rückzug ins Private“ – Neues Album von Grafzahl ist gemischt!

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War in der letzten Woche zusammen mit Florian im Studio/bei Guido. Das neue Album – “Der Rückzug ins Private” – steht. Jetzt muss nur noch gemastert werden und eine Idee fürs Artwork her. Ich freue mich sehr! Auf Facebook zwar schon ausgiebig angepriesen, hier trotzdem noch einmal der Link zu unserem Videotagebuch.

Tag 1. – Bin mit Florian im Studio bei Guido. Wir mischen das neue Album von grafzahl. Florian zeigt sich ungewohnt kooperativ. Wir haben wenig Zeit und arbeiten hart.

Tag 2. – Sieht alles gut aus. Florian und Guido harmonieren in der Regie. Wenn ich richtig gezählt habe, sind wir jetzt beim 6. Song. Das neue Album von grafzahl nimmt Form an. Das Teil soll Ende Februar ins Presswerk.

Tag 3. – Immer noch mit Flori von grafzahl bei Herrn Lucas. Gestern hatten wir fast frei. Wir durchlaufen einen Prozess der inneren Einkehr und betreiben Psychohygiene.

Tag 4. – Wir kommen uns langsam näher, schauen viel Fernsehen, essen Rosenkohl und bilden uns politisch fort. Wie das kommende grafzahl-Album nun tatsächlich heißen wird steht noch in den Sternen.

Tag 5. – Projekt abgeschlossen. Testmaster von zwei Songs in der Tasche. Wir waren uns nah. Ich bin gespannt auf die ersten Entwürfe vom Artwork, welches im Laufe der nächsten zwei Wochen fertiggestellt werden wird. So ist der Plan. Jedenfalls sind wir einem neuen Album von grafzahl wieder ein Stück näher gekommen. Danke an Guido und Flori für Liebe, Lebensmittel und Kaffeeweißer.

Ich finde immer einen Hund der mich liebt – Herbst 2011 // Neue VÖs: Außer Ich, The Truth About, Kiesgroup, BKCY

Ich finde immer einen Hund der mich liebt.
Ich finde immer einen Hund der mich liebt I.

Dieses Jahr läuft so durch. Die Monate Dezember bis Juli, wie hinter einem Vorhang. Das Aufarbeiten klappt, beruflich und privat. Der innere und der reale Schreibtisch leert sich und eine Ahnung von Alltag kehrt ein. Ab 05. September bin ich nun entgültig wieder in Köln. Das Tumbleweed-Büro zieht um und es wird Zeit wieder dort abzuhängen. Unsere letzten beiden Veröffentlichungen, die EP von THE TRUTH ABOUT – „The Way We Move“ und das Album von AUßER ICH – „Von Vornherein Schade“, haben mich auf eine besondere Art und Weise durch die letzten Monate begleitet. Ich weiß nicht, wie oft ich mit „Achterbahn“ im Auto in den Tag gestartet bin. Danke Musik.

Über die kommenden vier Veröffentlichungen freue ich mich ganz besonders. Das neue Album „Shantychrist“ der KIESGROUP pendelt zwischen (immer noch) pubertärem Größenwahn und nahezu grenzperfektem Songwriting. Vander das tiefgründige Terrorbärchen. Tolles Album! Auf „Weißer Wal“ von DANIEL DECKER werden wir noch etwas warten müssen. Das Einhorn ist gerade sehr mit anderen Dingen beschäftigt und hat – verständlicherweise – wenig Zeit. Ich hoffe sehr auf einen Release im Januar 2012. Schneller wird die Split-7″ von BUM KHUN CHA YOUTH und QUASI ZOMBIE am Start sein. Uli hat anscheinend die Kurve gekriegt und abgeliefert. Bin gespannt! Das Teil kommt definitiv noch in diesem Jahr. Und es bahnt sich eine kleine Sensation an. Die beiden Trümmerfrauen von GRAFZAHL haben ihr mündliches OK gegeben und ich werde die Spuren des neuen, bisher unveröffentlichten Albums ihrer Bestimmung zuführen und sie mischen und mastern. Wenn das klappt, lecke ich einen gebrauchten Staubsaugerbeutel aus.

Gnill – Releaseinfo – CD-EP „Ich werde mich mit dieser Makrele ins Ausland absetzen“ (2008)

Gnill? Ist das eine ätherische Künstlerin aus Island? Nein, das ist das neue Alter Ego von grafzahl-Mastermind Florian Gelling. Entschuldigend fragt der höfliche Künstler, ob ich denn die Benennung „Sexspinne“ etwa besser gefunden hätte.

Ach, welchen Namen auch immer der Typ sich gibt, man hört ihn ohnehin sofort raus. Diese Stimme. Die finde ich gut. Sie klingt erstmal hübsch, macht es sich aber nie einfach. Man merkt jederzeit, welche Spannung da besteht. Auf der einen Seite das gelebte Indie-DIY-Checkertum und auf der anderen Zweifel, Verzweiflung, Unsicherheit. So trifft das mehr als nur einen Ton in einem Song. So geht’s doch vielen.

Als Gnill stellt Florian nun sogar die eigene Songproduktionsmaschine in Frage. Ohne Band bastelte er sich hier in elektronischrockiges Liedermachertum rein. Die Stimme ist richtig gut zu verstehen, die Stücke changieren zwischen Rock und Beat, ganz gewissenhaft und schön ornamentiert. Ganz nebenbei produziert die Platte noch Slogans wie „Früher Halbgott, heute Wischmob“ und Anfänge, die ganz reizend von der gitarrigen Assoziation „Sommerhitler“ (grafzahl-Song) zu markig-putzigem Elektro-Pop überführen (zu hören bei „Dein Problem“). Ansonsten denkt man auch sicher mal an die Band 5 Freunde, an Superstolk 2000 und Tom Liwa, oder auch an eine Playmobil-Version von New Order. Was einem halt so passt. Respekt, Alter!

Linus Volkmann, Januar 2008

Pechsaftha – Releaseinfo – CD-Album „Dick in Frisco“ (2007)

„Pechshafta proben nie und doch ist aus jedem Bandtreffen bisher eine Veröffentlichung entstanden. Trotz ihres eigenwilligen Stils haben sie mit Tumbleweed nun ein Label gefunden, um ihr neues Werk auf CD zum ersten Mal einem größerem Publikum zugänglich zu machen, als die vorher in strengst limitierter Kleinauflage via Musikzimmer erschienenen, handgebastelten Vinylonly-Veröffentlichungen. Und auch die Musik ist zugänglicher, beinahe poppig geworden, ähnelt aber immer noch kaum einem der anderen Projekte der Beteiligten. Als da wären: Herr Kircher von EA 80, Herr Schneider und Herr Gelling von GRAF ZAHL, Herr Pech von KLOTZS und Herr Büsser, Musikjournalist, Autor und testcard-Herausgeber, mit dem ich mich im sonnigen Hinterhof des Ventil-Verlages unterhalten habe, während draußen irgendwelche Chorgruppen durch die Mainzer Altstadt zogen.“

– Text erschienen im Ox #69 / Den gesamten Artikel inkl. Interview mit Pechsaftha gibt es  hier. Vielen Dank an die Kollegen vom Ox für ihr Interesse und Engagement.

Grafzahl – Releaseinfo – LP & CD-Album „Alles muß schwimmen“ (2004)

stacheln und draht, baby

was war
Wer will, kann grafzahl schon seit diversen Jahren kennen. Immerhin erschien 1993 mit „Muffensausen“ die erste EP. Die drei Siegener gehörten zu einer der einflussreichsten und agilsten Zellen von aufregendem, reflektiertem Deutsch-Pop-Punk in den Neunzigern. Zelle klingt nach Knast – meint aber Gegenteiliges. Denn der einst auf angenehmste Weise Boxhamsters-inspirierten Band ging es nie um den bloßen selbstgefälligen Fame. Auf ihrem do-it-yourself Label Knorz Records veröffentlichten sie wegweisende Underground-Platten, schafften Links, prägten eine Szene mit. Das ist in wenigen Worten die story so far.

was ist
Sollte bei dem Einen oder Anderen diese Historisierung bisher noch nicht angekommen sein, auch kein Problem. Denn man begegnet sich doch immer zweimal im Leben – mindestens. Auf der Autobahn, an der Käsetheke, im Gebeinhaus, oder im hiesigen Club der Stadt. grafzahl stellen dabei sicher keine Wiederkehrer dar, schließlich waren sie selbst im klassischen Sinne von Kulturindustrie – Vermarktungs – Geisterbahn nie wirklich weg. Sondern gut unterwegs. Und dennoch: die Zeit zwischen dem letzten Album „Der Gönner“ (auf Beri Beri Records) und dem ganz neuen ist letztlich so lang geworden, dass man sich schon auch mit dem Gefühl konfrontiert sieht, hier jemanden wiederzutreffen.
grafzahl, dieses hochverdichtete Trio, dessen großer Reiz immer auch sein dandyhafter Autismus ist. Dass sie nicht nur harsche Erkenntnisse und Wunden des Hier und Jetzt offenlegen, sondern immer auch ein leicht entrücktes Grinsen mit sich führen. Ich habe das selbst immer als eine gebrochene Form der aristokratischen Tugend des Bescheidwissens verstanden. Also: zu überlegen, nicht auch mal verschmitzt sein zu wollen.

was ist jetzt
So sind sie ästhetisch dann auch ganz große Fuchsjagd, unbeirrbar und vielleicht sogar Bluter. Eben ganz „die Grafen“, als die sie von Fans, Freunden und Verwandten gerufen werden. Dabei wirken sie und ihre Musik immer so freundlich, so höflich. Doch bei all dem love-o-meter, das hier aufgefahren wird, sind grafzahl natürlich trotzdem keine vertrottelten Schöngeister. Sondern ausgestattet mit dem perfiden Gespür dafür, immer wenn die Harmonie in Text und Ton zu eskalieren droht, die Stacheln auszufahren. Plötzlich: Blitze statt Prinzessin. Die kongenialen Texte tun ihr übriges und genießen das Leben in der sinisteren Halbwelt zwischen Wohl und Wehe. Oder zwischen „Triumph and Agony“, wie es einst bei Doro Peschs Warlock hieß.

was wird
2002/2003 – Das Ergebnis der neusten Bemühungen ist die Platte „Alles Muß Schwimmen“. Die neben dem beloved Gitarren-Pop-Sound so richtig Türen und Fenster öffnet. Denn wo bei diversen Protagonisten Regress regiert und irgendein stumpfer Rock-Gestus aus besseren Tagen abgefeiert wird, geben sich grafzahl vielschichtig. Elektronische Momente machen zum Beispiel die Single des Albums, „Einkaufen Mit Getränken“ fast zu einem Electro-Clash-Smasher. Hit! Zu dem Song wurde bereits ein schön übergeschnapptes Video gedreht. Mit Hasen auf Rädern. Überhaupt: Soviele Ideen auf den Songs – und keine nervt. Alles muss klingen – und schwimmen. Die Nummer erschien auf dem befreundeten Kölner Label Tumbleweed. Und in aller Wohlerzogenheit ging man davon ab, die fragwürdige Bewerbung „Das Album Zur Jahrhundertflut“ zu verwenden. Denn auch ohne Selfmade-Provo wird das hier seinen Weg zu den vergnügten Mini-Punks und sonstigen Wut-Poppern finden. Und nicht zu knapp. Wir sind viele. Durchzählen! – (Linus Volkmann / 02.2003)