Grafzahl – Releaseinfo – LP & CD-Album „Alles muß schwimmen“ (2004)

stacheln und draht, baby

was war
Wer will, kann grafzahl schon seit diversen Jahren kennen. Immerhin erschien 1993 mit „Muffensausen“ die erste EP. Die drei Siegener gehörten zu einer der einflussreichsten und agilsten Zellen von aufregendem, reflektiertem Deutsch-Pop-Punk in den Neunzigern. Zelle klingt nach Knast – meint aber Gegenteiliges. Denn der einst auf angenehmste Weise Boxhamsters-inspirierten Band ging es nie um den bloßen selbstgefälligen Fame. Auf ihrem do-it-yourself Label Knorz Records veröffentlichten sie wegweisende Underground-Platten, schafften Links, prägten eine Szene mit. Das ist in wenigen Worten die story so far.

was ist
Sollte bei dem Einen oder Anderen diese Historisierung bisher noch nicht angekommen sein, auch kein Problem. Denn man begegnet sich doch immer zweimal im Leben – mindestens. Auf der Autobahn, an der Käsetheke, im Gebeinhaus, oder im hiesigen Club der Stadt. grafzahl stellen dabei sicher keine Wiederkehrer dar, schließlich waren sie selbst im klassischen Sinne von Kulturindustrie – Vermarktungs – Geisterbahn nie wirklich weg. Sondern gut unterwegs. Und dennoch: die Zeit zwischen dem letzten Album „Der Gönner“ (auf Beri Beri Records) und dem ganz neuen ist letztlich so lang geworden, dass man sich schon auch mit dem Gefühl konfrontiert sieht, hier jemanden wiederzutreffen.
grafzahl, dieses hochverdichtete Trio, dessen großer Reiz immer auch sein dandyhafter Autismus ist. Dass sie nicht nur harsche Erkenntnisse und Wunden des Hier und Jetzt offenlegen, sondern immer auch ein leicht entrücktes Grinsen mit sich führen. Ich habe das selbst immer als eine gebrochene Form der aristokratischen Tugend des Bescheidwissens verstanden. Also: zu überlegen, nicht auch mal verschmitzt sein zu wollen.

was ist jetzt
So sind sie ästhetisch dann auch ganz große Fuchsjagd, unbeirrbar und vielleicht sogar Bluter. Eben ganz „die Grafen“, als die sie von Fans, Freunden und Verwandten gerufen werden. Dabei wirken sie und ihre Musik immer so freundlich, so höflich. Doch bei all dem love-o-meter, das hier aufgefahren wird, sind grafzahl natürlich trotzdem keine vertrottelten Schöngeister. Sondern ausgestattet mit dem perfiden Gespür dafür, immer wenn die Harmonie in Text und Ton zu eskalieren droht, die Stacheln auszufahren. Plötzlich: Blitze statt Prinzessin. Die kongenialen Texte tun ihr übriges und genießen das Leben in der sinisteren Halbwelt zwischen Wohl und Wehe. Oder zwischen „Triumph and Agony“, wie es einst bei Doro Peschs Warlock hieß.

was wird
2002/2003 – Das Ergebnis der neusten Bemühungen ist die Platte „Alles Muß Schwimmen“. Die neben dem beloved Gitarren-Pop-Sound so richtig Türen und Fenster öffnet. Denn wo bei diversen Protagonisten Regress regiert und irgendein stumpfer Rock-Gestus aus besseren Tagen abgefeiert wird, geben sich grafzahl vielschichtig. Elektronische Momente machen zum Beispiel die Single des Albums, „Einkaufen Mit Getränken“ fast zu einem Electro-Clash-Smasher. Hit! Zu dem Song wurde bereits ein schön übergeschnapptes Video gedreht. Mit Hasen auf Rädern. Überhaupt: Soviele Ideen auf den Songs – und keine nervt. Alles muss klingen – und schwimmen. Die Nummer erschien auf dem befreundeten Kölner Label Tumbleweed. Und in aller Wohlerzogenheit ging man davon ab, die fragwürdige Bewerbung „Das Album Zur Jahrhundertflut“ zu verwenden. Denn auch ohne Selfmade-Provo wird das hier seinen Weg zu den vergnügten Mini-Punks und sonstigen Wut-Poppern finden. Und nicht zu knapp. Wir sind viele. Durchzählen! – (Linus Volkmann / 02.2003)

The Kind Of Bitter – Releaseinfo – CD-Album „Regrets“ (2004)

Die aus Kopenhagen stammenden THE KIND OF BITTER sind im Grunde mehr ein musikalisches Projekt und weniger eine Band im traditionellen Sinn. Bestehend aus vier Musikern, die alle noch in anderen Bands spielen und die normalerweise eher schnelle, harte und agressive Songs bevorzugen. Mit THE KIND OF BITTER wurde aber das Tempo langsamer, die Lautstärke wesentlich heruntergefahren und Agressionen mussten erst einmal vor der Tür bleiben.

Gegründet ca. 1995, von Gitarrist, Sänger und Songschreiber Mikkel Jes Hansen, existiert die Band mit wechselnden Musikern schon eine ganze Reihe von Jahren. Seit Anfang 2000 spielen sie aber mittlerweile in der gleichen Besetzung:

Mikkel Jes Hansen – voc. + guit.
(auch bei BARRA HEAD)
Lars Hjortkær Hansen – drums
(auch bei THE UNIT)
Per Chnöeld – voc. + guit.
(auch bei MENFOLK)
Chandu Chodavarapu – bass
(auch bei THE MAGIC BULLET THEORY)

Begleitet von einem wunderbar rumpelnden Schlagzeug, rollen THE KIND OF BITTER ihre teilweise schon sehr getragenen Songs vor dem geneigten Hörer auf. Die trockene, spröde Produktion, gepaart mit diesen fremdartig anmutenden Gesangsmelodien, lässt einen automatisch an Bands wie Codeine oder späte Shudder To Think denken. Aber auch Namen wie Neil Young/Crazy Horse, Elliot Smith oder Guided By Voices haben bei der musikalischen Sozialisation der Akteure sicherlich eine Rolle gespielt.

Das erste Album „Regrets“ gibt es nun ab Oktober exklusiv nur bei Tumbleweed. Entweder im Onlineshop bei Tumbleweed, bei Flight 13 oder bei anderen gut sortierten Fachhändlern. Übrigends spaltet die Coverversion „Teardrops“ von W&W bisher die Geschmäcker. Wir sind gespannt!

Die Grätenkinder – Releaseinfo – CD-Album „Serviervorschlag“ (2004)

Die Grätenkinder machen Schnarrrock. Das ist Musik, in deren Ahnenreihe Beat, Punk- und Indierock ebenso zu finden sind wie der Pop der so genannten Hamburger Schule. Saubere Viertel und gekonnte Solos sind dabei nicht so wichtig wie Stil(losigkeit), Herz und Verstand.

Eine Orgelspielerin, die die Melodien auf ihrer Seite hat. Zwei wahnsinnige Gitarristen, die auf der Bühne kurzzeitig Beine, Arme, Füße und Köpfe durcheinander werfen, um diese nach dem Auftritt wieder fast perfekt zusammenzufügen. Wie sie das schaffen bleibt ein Rätsel. Die Rhythmus-Gruppe wird vertreten durch eine Bassistin, die es schaffte sich innerhalb von nur zwei(!) Wochen von einer absoluten Novizin zu einer Vollstreckerin des gekonnten Dröhnens zu wandeln. Unterstützt wird sie hierbei von einem Lausbub am Schlagzeug, der das (Schnarr-)Rockgeschehen vorher schon als gelernter Bassist, Gitarrist und Steinewerfer maßgeblich beeinflusste.

„Leuchtend und kräftig ist die Musik, unbestechlich und sexy. Unmöglich nicht aufzuspringen, Fenster und Türen aufzureißen und die Sätze auf die so lange schon gewartet wurde mit dem vollen Einsatz des Lungenvolumens hinaus in die Welt zu schreien. Punkrock? Kann sein. Aber auf eine Art, die so viel Liebe zu bieten hat, dass die wenigen Tourbegleiterplätze innerhalb von Sekunden ausgebucht sind.
Widerstand ist zwecklos und auch nicht anzuraten. Es sei denn, Einsamkeit und dunkle Wolken sind des Lebens größtes Ziel.“ (Caroline Kikisch)

Schwarz – Releaseinfo – CD-Album „Cheesy“ (2004)

Schwarz kommen aus Madrid und es ist uns nach langem Hin und Her gelungen, ihr drittes Album „Cheesy“ exklusiv, von ihrem spanischen Label Astro, für den deutschen Markt zu lizenzieren. Hierzulande sind sie bisher nur durch eine gemeinsame Tour 2002 mit Manta Ray aufgefallen. Denen gefielen die ersten beiden Alben von Schwarz so gut, daß sie mit ihnen zusammen das Album „Heptágono“ aufnahmen, was dann auch der Anlass der damaligen gemeinsamen Touraktivitäten war.

Die Kinder verarbeiten hier ihre musikalische Vergangenheit. Gewachsene Leidenschaft geformt durch Verknüpfung. Raum, Ort, Zeit und Musik. Du saugst alles auf. Es wird nur einmal so sein. Und dann für immer anders und doch so gut. Sänger und Gitarrist Antonio Alfonso Alfonso (der heißt wirklich so) besitzt offensichtlich eine tiefgehende Leidenschaft für ausufernde Wiederholungen und lässt seine zumeist gitarrenlastigen Popsongs an den Rändern bis zur Unkenntlichkeit ausfransen. Auf „Cheesy“ wird, dann auch in letzter Konsequenz, erinnerter Pop liebevoll demontiert. Beeinflusst von (sagen wir mal) den ersten Alben von Mercury Rev und den Boo Radleys, aber auch von Bands wie Sonic Youth, den Feelies und Grandaddy.

Um den unter normalen Studio- und Produktionsbedingungen entstehenden Stress und Zeitdruck zu vermeiden, hatten sich Schwarz aus einem Gemisch von Arroganz, Unbekümmertheit und Unverschämtheit heraus ein eigenes Studio aufgebaut. Ohne große Vorkenntnisse und mit viel Mut begab man sich daraufhin an einen (mit Unterbrechungen) sechsmonatigen Aufnahmeprozess. Acht Titel sind auf „Cheesy“ enthalten. Wenn man das Album gehört hat, scheinen es aber doppelt so viele gewesen zu sein, dies mag auch daran liegen, daß die Stücke oft eine unerwartete Richtung einschlagen und sich gänzlich anders entwickeln wie zu vermuten gewesen wäre. Schwarz gefiel den Machern des Kontraphon-Samplers so gut, daß sie „The Impossible Dream“ direkt auf ihren aktuellen Sampler „Musik Ist Anders“ gepackt haben. Vielen Dank!

Morph – Releaseinfo – CD-EP „Quattro“ (2003)

Gereifte Indierocksozialisation, aus kleinstädtischen Strukturen kommend. Dies hat sich ja schon oft als die richtige Umgebung erwiesen um sich als Band finden zu können. Das eigene Umfeld, die eigene Szene als Schmelztiegel, ohne ständig auf die Metropolen zu schielen. In derart behüteten Verhaltnissen sind Morph, aus Limburg an der Lahn, über die Jahre gewachsen und legten 2003 einen geplanten Zwischenstopp ein, um uns „Quattro“ auf den Tisch zu knallen.

Morph rocken, oft schnell gespielt, mit lauten Gitarren, irgendwo zwischen Hüftschwung und Leistenbruch. Dazu charismatischer Gesang mit deutschen Texten über „Wahrheit fühlen wollen“ und die Sucht nach den kleinen magischen Momenten ausserhalb des Alltags. Also Liebe, Leidenschaft, Vergänglichkeit. Der junge Kai Hawai ist schwer melancholisch, zieht Nasen, liest auf einmal Hemingway und steigt bei den ganz frühen Notwist ein.

Den Texten von Morph ist man gerne ausgeliefert. Was immer auch kommen mag, es soll kommen. Dies zu hören macht Mut und alles bekommt irgendwie doch einen Sinn. Im ständigen „Vor“ und „Zurück“ turn Verzweiflung into Glück.

„Die Band ist ziemlich einzigartig. Nicht so sehr darin, dass es keine Assoziationen zu anderen Bands gäbe. Aber doch nur Gedankenflüchte, die kurz gestreift werden um dann wieder zu den vier Hessen zurückzukehren. Man beginne mit dem beissenden Impetus von Dackelblut, um über den Ausschnitt einer Motorpsychischen Epik zum lyrischen Gehalt von Evelyns Pørk vorzustossen, um doch nur bei Morph zu landen.“ – PNG #42

Wuoalfänger – Releaseinfo – 7″ „Kehrmaschine“(2003)

Wuoalfänger kommen aus Siegen und Gießen und es gibt sie schon lange, bestimmt schon seit 6 Jahren, sie haben aber bisher nur Kassetten veröffentlicht. Diese sahen immer gut aus, hatten aber leider den Nachteil, daß sie irgendwann zu leiern begannen. Egal ob mit Ei oder ohne – so konnte es nicht weitergehen, deshalb gibt es jetzt endlich Vinyl!

Wuoalfänger sind aber immer noch zu zweit und spielen auch weiterhin in anderen Bands wie grafzahl, Familie Pechsaftha oder dem Urs Kubrick Ensemble mit. Wie bei allen vorherigen Aufnahmen der Band sind auch die Stücke auf „Kehrmaschine“ sehr spontan entstanden und beiden Protagonisten war vorher nicht wirklich klar, was nacher dabei herauskommen würde.

Vergleichen ließe sich das Ganze am ehesten mit neueren oder mittleren Yo La Tengo, wobei der deutsche Gesang diesen Vergleich sofort wieder relativiert. Aber Vergleiche sind manchmal doof und unzutreffend, genauso wie Stilrichtungen, Schubladen und Schrankwände!

Zu Erwähnen bleibt noch, daß die auf Tumbleweed veröffentlichte 7inch „Kehrmaschine“, selbst aufgenommen wurde und es von dem handgemachten Cover (Siebdruck + Farbkopie) drei verschiedene Versionen gibt, jede mit einem anderen Wal! Außerdem ist das Vinyl der 7inch weiß!

Wuoalfänger sind:

Florian Gelling:
Gitarre, Bass, Gesang, Schlagzeug, Keyboard

Felix Schumann:
Gitarre, Bass, Gesang, Schlagzeug, Keyboard

Luke – Releaseinfo – CD-Album „In Less Than No Time“(2003)

Bei Luke geht es um Gitarren und große Gefühle. Es geht um Rock und es geht um Pop. Luke sind Helden der Herzen. Dann geht es noch um Alltag und um Gefühle konservieren, fixieren. Von verzerrten Gitarren gespielte Melodien, die dich festhalten lassen an gerade erlebten Dingen. Kopfskaten und Luftgitarre. Fixpunkte in Deiner generationalen Ordnung. Für immer. Hör auf die Stimmen!
Die Geschichte – Luke veröffentlichten im 1997 ihr Debüt auf Tumbleweed Records. Die Split-10″ mit PHS aus Siegen, im legendären Echtholz-Cover, wies damals schon die Art von Songs auf, die für Luke heute noch charakteristisch sind. Brachiale Gitarren und Popsongs mit Drive, Lässigkeit, Melancholie und Verspieltheit. 1998 erschien dann das erste Album von Luke . Mit „Warm“ machten Luke erstmals eine größere Öffentlichkeit auf sich aufmerksam. Das Album erhielt sehr gute Kritiken und Artikel in der einschlägigen Musikpresse und gehörte sicherlich zu den musikalisch besten Platten, die in jenem Jahr in Deutschland im Bereich Indierock veröffentlicht worden sind.

Nach dem darauf folgenden Ausstieg des zweiten Gitarristen entschloss man sich, erstmal in Triobesetzung weiter zu machen, was den Songs nun etwas mehr Raum ließ und das Bandgefüge insgesamt festigte. Im April 1999 enterten Luke die BluBox in Troisdorf, um zusammen mit Guido Lucas ihr zweites Album „From Now On“ aufzunehmen. Das Album erschien zur Popkomm 1999 , bei der Luke auf dem Hifi-Label-Network-Abend das Kölner Underground zum Beben brachten. Von der Presse wird das Album wieder durchweg sehr gut besprochen und angenommen. Die Vinylversion von „From Now On“ wird in Kooperation mit Blunoise Records (Troisdorf) seit Januar 2000 unters Volk gebracht.

Glücklich, daß man endlich auch beide Formate anbieten konnte, spielte die Band in der Folgezeit eine ganze Reihe von Auftritten und eine sehr erfolgreiche Tour im Mai/Juni 2001. Das Interesse an der Band steigt nochmal gewaltig, nachdem das erste, überaus niedliche Video zu „Feel like i do“ auf Viva II (R.I.P.) zu sehen ist, und 2Rock im Rahmen des Immergut-Festivals 2001 den Auftritt der Band featured. Seit Anfang 2001 übrigens wieder als Quartett, da mit dem Gitarristen Kai-Philipp , der zuvor als Soundmann die Band begleitete, endgültig die Idealbesetzung auf musikalischer und persönlicher Ebene gefunden wurde.

In Less Than No Time – Im Frühjahr 2003 veröffentlichten Luke dann ihr bisher letztes Album „In Less Than No Time“ und tourten im darauffolgenden Herbst ausgiebig durch Deutschland. Aufgenommen in den BluNoise Studios, mit Guido Lucas an den Reglern, ist „In Less Than No Time“ ein wuchtiger Block. Ein Statement. Selbstbewusstes Abfeiern. Dieses Album schreit „Rock!“ und wird Vergleichen mit diversen Oberliga-Clubs gerecht. Tief stapeln wäre hier schlicht gelogen. Endlich scheint auch das leidige Emo-Ding vom Tisch zu sein.