Sternbuschweg – Releaseinfo – CD-Album „Mein Herz schlägt weiter jeden Tag“ (2008)

Im nahezu unüberschaubaren Kosmos deutscher und deutschsprachiger Indiebands sitzen Sternbuschweg seit vielen Jahren am selben Platz: völlig wurzellos, wie die Robinson Crusoe-Typen aus Bildwitzen über Leute, die auf einer einsamen handtellergroßen Insel gestrandet sind. Daß sie sich nie einer wirklichen Szene anschlossen, obwohl sie bereits in den ersten Stunden der selbstausgerufenen ‚Berliner Schule‘ zugegen waren, aus der kurze Zeit später Bands wie 2Raumwohnung, Virginia Jetzt! oder Mia in den Mainstream vorstoßen konnten, hat vermutlich weniger mit ihrer Musik zu tun sondern damit, wie diese Band funktioniert, nicht funktioniert, sich weigert zu funktionieren und stattdessen funktioniert.

Kurz zurückgeblendet: 2002 wurde erst in Berlin und kurz darauf in ganz Deutschland in Radios, Fanzines, Klubs und Jugendzentren ehrfurchtsvoll der Name Sternbuschweg genannt: diese coole neue Band, die vermutlich ziemlich bald ziemlich bekannt sein würde. Es kam, wie man Jahre später rückblickend feststellen muß, anders. Sternbuschweg haben sich zwar nie wirklich ausgeklinkt (sie waren konstant auf Tour und veröffentlichten im Eigenvertrieb und bei Kleinstlabels drei EPs und eine Single), nahmen aber einfach nie am Wettbewerb teil. Vielleicht weniger als tatsächliche Weigerung sondern mehr, weil sie es wichtiger fanden, ihre Band kleinteilig, geduldig und voller Leidenschaft exakt so zu gestalten, wie es ihnen selber richtig schien; ohne darauf zu schielen, einen fetten Plattenvertrag an Land zu ziehen, ohne die Einflussnahme von A&R-Vögeln, Bookern und allen, die die Qualität von Musik in ihrer ‚Verwertbarkeit‘ bemessen; ohne sich dafür zu interessieren, was Presse, Radio und Internet an Schulterklopfen oder Ablehnung und Besserwisserei für diese kleine, mächtige Band bereithalten.

Diese fast schon autistische Art eine Band zu betreiben wäre alleine schon ein Grund, Sternbuschweg ins Herz zu schließen. Aber dann ist da zum Glück noch die Musik, diese eindruckvolle, erhabene Popmusik. Wäre das hier eine einzeilige Konzertankündigung in einem Monatsmagazin, würde Sternbuschweg vermutlich eingekocht werden auf die Pole, zwischen denen man sie irgendwie verorten kann: britischer Pop der Gattung Stones Roses, Charlatans oder Ride, etwas Northern Soul, etwas ‚Hamburger Schule‘ und ein Sänger, der so unschuldig und sehnsuchtsvoll singt, daß es schwerfällt, nicht an Morrissey zu denken. Aber es ist so viel mehr los in der Welt von Sternbuschweg, an der sie jahrelang gewoben haben. Die Gitarren verzahnen sich in einer Wall Of Sound, verlieren sich in Verzerrung und Hallräumen wie bei The Jesus & Mary Chain und My Bloody Valentine, bekommen elegant und unaufdringlich aber energisch Struktur von Baß und Schlagzeug und Klarheit von Wolfgang Müller-Molenars Stimme, die in ihrer gleichzeitigen Bescheidenheit und gespieltem Größenwahn so perfekt die großen Tugenden dieser Band und ihrem erstaunlichen Zusammenspiel ausmacht. Die Entscheidung, das Album komplett live einzuspielen ist mutig, aber folgerichtig.

Ob das lang erwartete, lang erarbeitete und lang ersehnte Debutalbum nach sechs Jahren Bandgeschichte die Stadt so in Brand setzen wird, wie es angemessen wäre? Vermutlich nicht. Zumindest nicht nach den Maßstäben und Marktgesetzen, mit denen diese Band nichts zu tun hat; denn ganz im Ernst: eine Band, die sich auch nur entfernt um Erfolg oder Anerkennung schert, lässt sich keine sechs Jahre Zeit für eine Platte. Eine Band, die sich ausschließlich und hundertprozentig um Musik schert, schon.

Und wenn die Band noch so überzeugt singt: „diese Welt ist nicht gemacht für uns“, möchte man ihnen laut entgegensingen „mag sein – na und“. Ein Hoch auf Benjamin, Dennis, Sebastian und Wolfgang, die vier Typen, die auf ihrer einsamen Insel ein paar der besten Lieder über Liebe, Selbstmitleid, Größenwahn, Irrsinn, Scheitern und, nunja, das Leben überhaupt geschrieben haben, die in den letzten Jahren geschrieben wurden. Eine Band wie ein Geschenk.

Björn Sonnenberg, Februar 2008

Bum Khun Cha Youth – Releaseinfo – CD-Album „Alarm! Hanns-Martin ist verschwunden.“ (2007)

BKCY – das sind Ulrich Nachtigall und Linus Volkmann aus Köln. Einst hatten sie eine Skihütten-Indie-band, aber das Verstärkerschleppen und Gitarrespielen war einfach eine zu große Zumutung für die zwei sensiblen Blitzlichtluder mit den Kabelarmen und Streichholzbeinen. Es gibt daher elektronische Musik in dem Spannungsfeld zwischen Digitalism und Blümchen.

„Alarm!  Hanns-Martin ist verschwunden.“ ist ihre erste Platte. In den elf Jahren Bandbestehens zuvor, erschienen bereits zwei 7“-Singles und die Mini-LP „Unendliche Freiheit“. Der große Radiohit aus den Neunzigern „Wann hast du eigentlich aufgehört, mich zu lieben, Schatz?“ findet sich dem aktuellen Album als Bonus im Original angehängt.

Noch mehr zu sagen? Ja, klar. Und das tut nun der Ex-Tennis-Profi Thomas Venker aus Stuttgart:

Lesen auch Sie, was ich gerade gelesen habe: Die Sätze, die die Band uns, den Hörern, im Booklet ihres Albums „Alarm, Hanns-Martin ist verschwunden“ mit auf den Weg geben. Und schon wissen Sie, warum ich mit dem folgenden das Info einleiten will – und nicht mit dem erwartbaren Punk-Indie-Bohemian-Lebensstilreport der beiden Kölner. Den kann man sich googeln, die Kontextualisierung des Leitmotivs RAF soll mein Job bei der Nummer sein. Ein angenehmer.

Denn all diese RAF-Bezüge, die wir auf „Alarm, Hanns-Martin ist verschwunden“ finden, sie sollen keineswegs schocken und rocken wie beispielsweise Baader-Meinhof-Rückgriffe in der Britischen Industrialszene Ende der 70er – wobei man dies jenen Bands gar nicht vorwerfen kann, zu gering war die zeitliche Distanz als dass sie die Abstraktion hätten leisten können. Aber heute, 30 Jahre nach dem Deutschen Herbst, bedarf es mehr als des name droppings, man muss sich positionieren. Volkmann und Nachtigall tun das. Sie wollen nicht nur catchy Slogans über grellbunte Keyboardlines legen, sie treten gegen das Arschloch Meinungspluralismus an. Sie zeigen, dass die RAF nicht mit einer absoluten Position und eben solcher Sicherheit zu beurteilen ist, sondern ein vielschichtiges Phänomen deutscher Geschichte ist, an dem viel kritisiert werden kann und muss (gerade auch die antisemitistischen und sexistischen Tendenzen, die Künstler sprechen es im Booklet an), aber eben auch der ernst gemeinte Versuch unternommen werden sollte, sich die Ereignisse jener Tage bewusst zu machen, zu erinnern und aufzuarbeiten, die historischen Ereignisse und die Positionen der Protagonisten, ihre Visionen.

Schuld und Sühne also. Das Thema des Jahres 2007. Und so sehr man sich freut, dass die Medien abseits von Britney Spears menschlicher Tragödie und den letzten Zuckungen von fragwürdigen Starkonstruktionen wie Anna Nicole Smith endlich mal wieder einem richtigen Thema widmen, so sehr geht einem doch auf den Sack, was man da so lesen muss an arrogantem Duktus, gespeist mit der Gewinnerpose in der xten Generation. Die Diskussion über die „vorzeitige“ Haftentlassung, die Gnadengesuche von Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar, machte deutlich, warum es gut ist, dass es dieses Album gibt: Um daran zu erinnern, dass jede Geschichte mehrere Auslegungen hat, je nach Erzähler. Gefährliches Terrain, ich weiß. Denn wenn wir über beispielsweise – und da es in diesem Kontext so gut passt  – über Hitlerdeutschland sprechen, dann komme mir keiner mit differenzierter Sicht der Dinge – denn so sehr die Rückkehr zum Neuen Deutschen Selbstbewusstsein, die dieser Tage around ist (sei es in Form von Fahnen bei der WM oder Geseiere aus einem weißen Vanity-Fair-HQ) so elend ist sie auch.

Die RAF ist trotz ihrer – in der Diskussion gern unterschlagenen – Gesellschaftsutopie, die an sozialistische Ideen andockte, ohne Hitlerdeutschland nicht denkbar gewesen. Sie ist in ihrem elementarsten Kern auch ein Dagegenhalten gegen das zurück zu alten Strukturen, das Weitermachenlassen der Schuldbeladenen. Insofern ist es grob fahrlässig, und auch nicht nachvollziehbar, wie jemand wie Jan Philipp Reemtsma die RAF als lokale Gruppenpose a la Dostojewskijs „Dämonen“ (jetzt neu „Böse Geister“) zeichnen kann (so geschehen in einem vor Selbstzufriedenheit nur so triefendem Beitrag in der Zeit vom 8. März dieses Jahres). So leicht kann man die Protagonisten jener Epoche, die bis heute, das zeigt ja die aktuelle Debatte, das Land aufwühlt, nicht abkanzeln, mal davon abgesehen, dass es auch politisch ein bedenklicher Akt ist. Außerdem stellt die RAF nicht nur ein singuläres deutsches Phänomen dar, sondern sah sich eingebettet in eine globale Bewegung, motiviert auch von den Tupamaros in Uruguay, Freiheitskämpfern in Mittel- und Südamerika. Hochgeputscht von dem (verrinnenden) Kairos der Studentenbewegung und den alles möglich erscheinenden Ereignissen jener Tage. Ihre Vision von Räterepublik, Internationalismus und Kommunismus sollte die von der Propaganda der Tat aktivierte Bevölkerung mit in die Verantwortung ziehen, mobilisieren für einen anderen, gerechteren Entwurf.

Aber kommen wir zurück zur Bum Kun Cha Youth. Man kann dieser bei oberflächlicher Rezeption des Werks unterstellen, dass sie schändlichen Populismus für Linksradikale betreibe, oder auch nur, dass sie eine Käsepizzavariante dessen zum reinen Spaßkick abliefere. Aber das wird ihnen genauso wenig gerecht wie Reetsmas Worte zutreffendes über die RAF sprechen. Nur woran liegt das? Die RAF legte den Finger in die größte Identitätswunde, die dieses Land besitzt: Die Nazivergangenheit und deren inkonsequente Aufarbeitung. Natürlich sagte ihr, wie jedem guten Linken, der Kapitalismus als Prinzip nicht zu, da er, selbst wenn er noch so viel hinausposaunte Soziale Marktwirtschaft zur Seite gestellt bekommt, letztlich doch immer weiter die Schere zwischen Arm und Reich vergrößert – aber das war nicht ihr Hauptanliegen, auch wenn  Christian Klar sich in seiner aktuellen Grußbotschaft an die Rosa-Luxemburg-Konferenz damit auseinandersetzt, nein, ihr Hauptanliegen war doch ganz klar die Kritik an den beibehaltenen Verhältnissen, dem Laissez Fair, mit dem aus Angst vor fehlendem Aufschwung und längerer Zeit der Buße und des Leids (und sie wäre verdient gewesen) einiges schneller vergessen wurde, als es Recht war, einige schneller – ja überhaupt – wieder eingegliedert wurden in das soziale Leben, die mit soviel Schuld beladen waren, dass sie statt nach Argentinien reisen zu dürfen, um erste neue Deals zustande zu bringen (mit Geldern, deren Herkunft keiner so genau wissen wollte) für immer in Demut Soziale Dienst hätten ableisten müssen oder noch besser im Knast Tellerwaschen. Wie zynisch mag dieses Deutsche Wirtschaftswunder für all jene gewirkt haben, die so unterDeutschland haben leiden müssen?

Ob aus all dem das Recht zu einem Kriegszustand ableitbar ist, die Argumentation auf der Otto Schily seine Verteidigung der angeklagten im Stammheimer Prozess aufbaute, sei vertagt, dafür ist das hier nicht der Rahmen. Nur dieses Gedankenexperiment sei an der Stelle zugelassen: Wer fühlt, dass noch immer die Protagonisten des Nationalsozialismus am Schaltpult sitzen, der wär ein schlechter Demokrat, wenn er nicht dagegen angehen würde – auch wenn „der gute Demokrat“ kein Maßstab gewesen ist, an dem die RAF etwas habe bemessen wollen. Damit sei weiterhin nicht gesagt, dass Gewalt der Weg ist. Keineswegs. Aber es ist gesagt, dass man all diese Gesichtspunkte nicht wegschieben sollte und kann.

Seien Sie nicht enttäuscht, wenn Sie nicht all das sofort wiederfinden in der Musik der Bum Khun Cha Youth. Das hier ist Popmusik, ein Ort, der Gefahr läuft, dem System letztendlich zuzuarbeiten, da er Eskapismus fördert – das wissen wir nicht erst seit Adorno – aber eben auch subtile Kommunikationskanäle für mehr bietet. Also lauschen Sie gut.

Thomas Venker // Sommer 2007

Pechsaftha – Releaseinfo – CD-Album „Dick in Frisco“ (2007)

„Pechshafta proben nie und doch ist aus jedem Bandtreffen bisher eine Veröffentlichung entstanden. Trotz ihres eigenwilligen Stils haben sie mit Tumbleweed nun ein Label gefunden, um ihr neues Werk auf CD zum ersten Mal einem größerem Publikum zugänglich zu machen, als die vorher in strengst limitierter Kleinauflage via Musikzimmer erschienenen, handgebastelten Vinylonly-Veröffentlichungen. Und auch die Musik ist zugänglicher, beinahe poppig geworden, ähnelt aber immer noch kaum einem der anderen Projekte der Beteiligten. Als da wären: Herr Kircher von EA 80, Herr Schneider und Herr Gelling von GRAF ZAHL, Herr Pech von KLOTZS und Herr Büsser, Musikjournalist, Autor und testcard-Herausgeber, mit dem ich mich im sonnigen Hinterhof des Ventil-Verlages unterhalten habe, während draußen irgendwelche Chorgruppen durch die Mainzer Altstadt zogen.“

– Text erschienen im Ox #69 / Den gesamten Artikel inkl. Interview mit Pechsaftha gibt es  hier. Vielen Dank an die Kollegen vom Ox für ihr Interesse und Engagement.

Luke – Releaseinfo – CD-Album „The Order Failed The Dream“ (2006)

Die Jahre kommen, die Jahre gehen. Mittlerweile sind es zehn. Luke sind immer noch da und wollen auch noch bleiben. Ruhend in sich selbst. Stilvoll. Selbstbewusst. Trendfrei. Zeitlos. Seit langem eingebettet in gewachsene Strukturen und wachsam verfolgt von einer kleinen, aber feinen Gruppe von Geheimniskrämern.

Das Dreieck Luxemburg, Köln, Hamburg. Studium und Beruf im In- und Ausland. Proben, Konzerte, gemeinsame Zeit – keine Selbstverständlichkeit. Einen Businessplan gab es hier noch nie. Und dennoch: Luke funktionieren, sind lebendig, wohl auch wegen der gelebten Freundschaft und Zusammengehörigkeit. Oder gerade deshalb?

Nach drei Jahren im Hinterhalt jetzt also Album Nummer vier: “The Order Failed The Dream”. Bis dato die längste und aufwändigste Produktion mit Mastermind Guido Lucas. Das hört man und das fühlt man. Bis in die letzte Rille gefüllt mit Herzblut. Inhaltlich persönlicher als zuvor. Hier gibt es kein Verstecken. Poppig und brachial, rockig aber fragil, atmosphärisch und euphorisch. Detailverliebt und druckvoll wie noch nie zelebrieren Luke ihren ureigenen Stil. Wissend um die Möglichkeiten, immer wieder die entscheidenden Brüche und Lücken setzend. So trennt sich spielerisch erneut die Spreu vom Weizen. Luke sind wieder auf der guten Seite. Wie immer in all den Jahren.

Stephan Sodeur
– Bass
Heiko Schneider
– Gitarre, Gesang
Kai-Philipp Schöllmann
– Gitarre
Christof Schulte
– Schlagzeug

Eheruncool – Releaseinfo – CD-EP „Noch weiter weg von uns“ (2006)

Eheruncool – Infos – Sommer 2006

Auszug aus einer E-Mail von Sänger Alex:

„Ich selbst habe ca. 1990 mit meiner ersten Band angefangen Musik zu machen. Wir hatten schon damals Vorbilder wie Phillip Boa oder Sonic Youth, nur leider waren die Fähigkeiten begrenzt, so das es immer nach Punk klang. Arne unser Schlagzeuger war damals 14 und wurde von Uwe Jähnichen und mir zu seinen ersten Konzerten mitgenommen. Als Blumfelds „Ich-Maschine“ rauskam, hat uns das so begeistert, daß Arne sofort eine Band namens „Superstars Sucks“ gründete (im trashigsten Tocotronic-Style) und ich fing an deutsche Texte zu schreiben, mit einer neuen Band namens „Clarissa“ (beide auf den ersten Fieberkurve Compilations). Mit Clarissa sind wir dann auch im Radio gelaufen und in diversen Fanzines mit Lob bedacht wurden! Unser Gitarrist Andre war damals 16 und auch schon dabei. Ich glaube das war dann so um 1995 rum. Du siehst, wir kennen uns alle schon lange.

Eheruncool gibt es seit 1999. In unseren Plattenregalen stehen Sachen wie Blumfeld, We Smile, Ostzonensuppenwürfel- machenkrebs, Regierung, Aeronauten, Fünf Freunde, Superpunk, Van Pelt, Bob Tilton, Grade und natürlich Joy Division und Sonic Youth. Ich hör aber auch andere Sachen, wie z.B. Pavlovs Doc und die alten Manchester Bands. Die ersten zwei Blumfeld-Platten sind immer noch meine persönlichen Favoriten!“

Nach verschiedenen Bandprojekten, unter anderem Clarissa und Superstars Sucks, fanden sich mit Eheruncool vier Musik-Enthusiasten zusammen, um ihre Vorliebe für deutschsprachige Popmusik in eigenen Songs zum Ausdruck zu bringen. Nach der 2000 erschienen Single „An Solchen Tagen“, folgte 2001 das erste Album „Drunken Butterfly“. Beide als Eigenveröffentlichung. Im August 2002 erschien auf Noiseworks Records dann das zweite Album „Gezeichnetes Ich“, benannt nach einem Gedícht von Gottfried Benn. Live macht die Band bei zahlreichen Konzerten auf sich aufmerksam und spielte schon mit Bands wie Dirty Spoon, Superpunk, Diario, Tokio Sex Destruction und Malory zusammen. 2004 und 2006 supportete Eheruncool Philip Boa bei einigen Konzerten in Deutschland. Die Songs der bisher veröffentlichten CDs schafften es in die Hörprogramme von Radio Fritz, Radio Blau, Radio T, und dem Hessischen Rundfunk und sind auf diversen Samplern vertreten. Der Eheruncool-Song „Zwischen Für Und Gegen“ war Titelsong des antifaschistischen Schulhof-Samplers „Auf Meiner Seite Steht Das Leben“ der als Gegenprojekt zu den von sächsischen Rechten verteilten Schulhof-CDs herausgebracht wurde. Im Juni 2006 erscheint die EP „Noch Weiter Weg Von Uns“ mit fünf neuen Songs beim Kölner Indielabel Tumbleweed Records und wird im Vertrieb von Broken Silence in den feinsten Plattenläden zwischen Hamburg und München zu haben sein.

Mob – Releaseinfo – CD-Album „We All Repeat The Past“ (2006)

Die Kooperation:
Guido Lucas war 2003, nach einigen Konzerten von Mob im Vorprogramm von Blackmail, derart beindruckt, daß er der Band sofort eine Veröffentlichung auf BluNoise Records angeboten hat. Da aber Tumbleweed 2002 den Vorläufer I Believe In You veröffentlicht, die Band erstmalig für mehrere Touren nach Deutschland geholt hatte und es in diesen Kreisen auch um zwischenmenschliche Beziehungen geht, war von Anfang an klar, daß ein kommendes Album nur in (einer wie auch immmer gearteten) Zusammenarbeit von BluNoise und Tumbleweed verwirklicht werden könnte. Nach reiflicher Überlegung wurde deshalb folgendes entschieden: Das neue Album We All Repeat The Past von Mob wird auf BluNoise veröffentlicht und von dessen Vertriebspartner Al!ve vertrieben. Tumbleweed-Die Agentur kümmert sich nur um die Promotion und über diesen Umweg wird es dann doch wieder eine Gemeinschaftsproduktion beider Labels als gleichberechtigte Partner. Mittlerweile haben die beiden Indie-Neurotiker Lucas und Kolepke auch ein gemeinsames Büro im Normal in Köln bezogen. Zusammen mit der Plattform BeSonic und den genial, liebenswerten Nerds von Haldern Pop, stricken dort nun alle an einer Bündelung ihrer Interessen und Zielsetzungen.

Die Veröffentlichung:
War den beiden Vorgängeralben, And This Is A Good Day (1999) und I Believe In You (2002), immer ein wenig der Vorwurf zu machen, der eindrucksvollen Live-Präsenz nicht gerecht zu werden, so haben es Mob auf ihrem dritten Album We All Repeat The Past schlußendlich doch einmal geschafft, die Wucht und Energie, sowie die unglaubliche Zornigkeit ihrer Live-Shows in einem Studio auf Band zu bringen. Zu verdanken ist dies vor allem auch der einfühlsamen Einflußnahme von Produzent Guido Lucas, der sich auf Drängen der Band tagelang einzelnen Tönen widmete und bloßen Gitarrengeräuschen meterweise Band einräumte. Mit einer Mischung aus Lautstärke und kleinen Melodien, in denen du auch nach mehrmaligem Hören immer wieder neue Elemente entdeckst, türmt die Band hier Gitarrenspuren zu eindrucksvollen Gebilden auf. Die auf dem nun vorliegenden Album enthaltenen neun Stücke verbreiten eine ganz spezielle, vollkommen Mob-typische Aura zwischen Melancholie und Wahnsinn. Einmal wahrgenommen und abgespeichert, ordnet man diesen Sound zukünftig immer Mob zu. Der Wiedererkennungsfaktor ist also sehr hoch. Wenn man sucht, wird man sicherlich nur einige wenige Bands finden, die es schaffen auf so unverwechselbare Art und Weise Noiserock der kranken Schule mit britischem Indierock/-pop als zusätzlichem Bezugspunkt zu paaren. Bands wie Mogwai, My Bloody Valentine, Cure und Placebo seien hier als Eckpfeiler genannt.

Scut – Releaseinfo – CD-Album“Never Got Tatooed“(2005)

„schrammelgitarren rauschen durch die hi-fi boxen und versetzen dich in eine überaus beruhigende melancholie. es fühlt sich fast so an wie 1991, wo man auf knien durch sein jugendzimmer rutschte, sich in helden wie ride auf ewig verliebte und sich verträumt in die welt der gitarrenwände begab. ein längst verlorener sound glaubten viele, doch die ende 2001 gegründeten scut aus wiesbaden schicken sich nun an mit ihrem herzschmerz-shoegazer-sound diese wunderbare welt des „wall of sound“ aufrechtzuhalten. diverse fachzeitschriften haben das potential dieser band bereits erkannt, als sie 2004 scut einfach mal so, als beste „indie-vorband“ titulierten, was gar nicht despektierlich gemeint war, sondern eine verbeugung vor dem schlummernden potential darstellte, welches in scut steckt. schon allein aus diesen gründen nahmen bisher u.a. readymade und nova international scut als support mit auf ihre touren. anfang 2004 begannen dann endlich die aufnahmen für ihr debutalbum „never got tatooed“ im zentralstudio in mainz, welches unter der regie von zac johnson (readymade, tobacco) und daniel riedl entstand. aktiv an den reglern war tobias paldauf. im mai 2005 wird dann dieses feine debutalbum auf die hörerschaft losgelassen und die indiepopfreunde begeistern. die beiden kleinen aber feinen indielabel tumbleweed records aus köln, sowie alison records aus lüneburg, nahmen sich scut an und es müssten mal wieder alle ungerechtigkeiten dieser welt zusammen-kommen, wenn diese band nun nicht endlich mal aus dem schatten von bands wie slut oder miles heraustreten würde. verdient haben sie es allemal. natürlich fallen einem bei scut sofort zig querverweise ein. ride, power of dreams oder auch die frühen lush klingen an vielen stellen angenehm durch und dennoch behalten scut durch den feinen doppelgesang von sänger markus und bassistin regine immer eine völlig eigenständige note. außenseiter-prosa trifft auf gitarrenwände die den begriff ‚finest popism‘ noch verdienen. markus-gitarre, gesang; samel-gitarre; regine-bass, gesang und rainer-drums ist die besetzung von scut. man kann ihnen zu ihrem debut nur gratulieren. 10 grandiose indiepopsongs fanden ihren weg auf „never got tatooed“ und sollten auf allen indie-dancefloors dieses landes gehört und betanzt zu werden. herrlich wieder dieses gefühl zu spüren.“

von Benny Ruess / Revolver Club Hamburg / Frühling 2005

Bizibox – Releaseinfo – CD-Album „Never Catch Us Downtown“ (2005)

Mit den Songs von Never Catch Us Downtown macht die Band nicht nur da weiter wo sie auf ihrer letzten EP soma aufgehört hat, sondern geht in Punkto Songwriting noch einen Schritt weiter. Damals schon vom Lob der Presse verwöhnt, welche z.B. die „ausgefallene Gitarrenarbeit und den Charme der Musik“ [Intro] lobte, oder sich unter anderem fragte warum die fünf Bonner „nicht längst in der ersten Liga der deutschen Rockbands spielen“ [Westzeit], kommen die neuen Songs wesentlich kompakter und rockiger daher.

Es sind elf Songs, die durch schöne Harmonien und wunderbar eingesetzte Gesangsmelodien, aber auch durch enorme Kraft überzeugen. Elf Songs, die das nötige Potential für eine gute Zukunft von Bizibox besitzen. Aufgenommen auf einem alten Bauernhof, wurde das neue Material, wie schon der Vorgänger, wieder von Kurt Ebelhäuser gemixt, dem zu verdanken ist, dass die Songs sehr ehrlich und unheimlich druckvoll herüber kommen.

Gegründet wurde Bizibox 1995. Eine lange Zeit also, die die Band existiert, aber auch genügend Zeit für die 5 Musiker jede Menge musikalische Erfahrung zu sammeln, die sie im während Studioaufnahmen oder Live auf der Bühne umsetzten können. Zum Beispiel u.a. bei Auftritten auf dem 2000er Bizarre-Festival, der Bonner Rheinkultur, dem wohl größten und ältesten „umsonst+draußen“-Open-Airs der Republik, oder aber bei vielen diversen Clubgigs in gesamt Deutschland.

Erdbeertörtchen – Releaseinfo – CD-Album „Wald“ (2004)

Instrumentale Musik ist schwer von Vorurteilen zu trennen. Allzu schnell denkt man an entrückte Hippies und frickelnde Choleriker, die ohne Unterlaß vor sich hindudeln oder, um die negativ besetzten Seiten nun außer acht zu lassen, an ‚epische Weite‘ und ‚melancholisch mäandernde Ströme aus verzerrten und unverzerrten Akkorden‘. Oder was man sich sonst noch so einfallen läßt, um einen guten Metaphernsalat anzurichten.

Auch erdbeertörtchen verzichten auf Gesang, lassen sich jedoch nicht darauf ein, als nächste Abziehbildchen der hinlänglich bekannten Grandseigneurs auf den Postrocklaternen verklebt zu werden. Vielmehr beziehen sie ihre Einflüsse aus ganz anderen Ecken der Gitarrenmusik, in denen zumeist gesungen und mehr Wert auf gute Melodien gelegt wird, als ausschließlich auf größtmögliche Steigerung der Spannung, die sich stets in denselben Explosionen auflöst.
Eine gute Melodie ist die halbe Miete, und des öfteren ist man geneigt, mitzusingen. Nur ist kein Text da. Aber denken Sie sich diesen doch selber aus, z.B.: „Seitdem ich Titten habe, vermisse ich den Fernseher nicht mehr!“

Das auf Tumbleweed erschienene erste Album von erdbeertörtchen trägt den Titel „Wald“ und bietet neben einem wunderschönen, handgezeichnetem Cover und den merkwürdigsten Songtiteln ever, vor allem eine Achterbahnfahrt der Gefühle.
Noch nie hat eine Instrumental-Band aus dem Tumbleweed Dunstkreis ein so vielschichtiges und schwermütiges Album auf den Tisch gelegt. Neben Schlagzeug, Bass und Gitarren sind noch gut ein Dutzend verschiedener Instrumente beteiligt, und dennoch klingt alles luftig und transparent. Wind im Haar, Sturm im Herzen und auch Töne können einen streicheln.

Grafzahl – Releaseinfo – LP & CD-Album „Alles muß schwimmen“ (2004)

stacheln und draht, baby

was war
Wer will, kann grafzahl schon seit diversen Jahren kennen. Immerhin erschien 1993 mit „Muffensausen“ die erste EP. Die drei Siegener gehörten zu einer der einflussreichsten und agilsten Zellen von aufregendem, reflektiertem Deutsch-Pop-Punk in den Neunzigern. Zelle klingt nach Knast – meint aber Gegenteiliges. Denn der einst auf angenehmste Weise Boxhamsters-inspirierten Band ging es nie um den bloßen selbstgefälligen Fame. Auf ihrem do-it-yourself Label Knorz Records veröffentlichten sie wegweisende Underground-Platten, schafften Links, prägten eine Szene mit. Das ist in wenigen Worten die story so far.

was ist
Sollte bei dem Einen oder Anderen diese Historisierung bisher noch nicht angekommen sein, auch kein Problem. Denn man begegnet sich doch immer zweimal im Leben – mindestens. Auf der Autobahn, an der Käsetheke, im Gebeinhaus, oder im hiesigen Club der Stadt. grafzahl stellen dabei sicher keine Wiederkehrer dar, schließlich waren sie selbst im klassischen Sinne von Kulturindustrie – Vermarktungs – Geisterbahn nie wirklich weg. Sondern gut unterwegs. Und dennoch: die Zeit zwischen dem letzten Album „Der Gönner“ (auf Beri Beri Records) und dem ganz neuen ist letztlich so lang geworden, dass man sich schon auch mit dem Gefühl konfrontiert sieht, hier jemanden wiederzutreffen.
grafzahl, dieses hochverdichtete Trio, dessen großer Reiz immer auch sein dandyhafter Autismus ist. Dass sie nicht nur harsche Erkenntnisse und Wunden des Hier und Jetzt offenlegen, sondern immer auch ein leicht entrücktes Grinsen mit sich führen. Ich habe das selbst immer als eine gebrochene Form der aristokratischen Tugend des Bescheidwissens verstanden. Also: zu überlegen, nicht auch mal verschmitzt sein zu wollen.

was ist jetzt
So sind sie ästhetisch dann auch ganz große Fuchsjagd, unbeirrbar und vielleicht sogar Bluter. Eben ganz „die Grafen“, als die sie von Fans, Freunden und Verwandten gerufen werden. Dabei wirken sie und ihre Musik immer so freundlich, so höflich. Doch bei all dem love-o-meter, das hier aufgefahren wird, sind grafzahl natürlich trotzdem keine vertrottelten Schöngeister. Sondern ausgestattet mit dem perfiden Gespür dafür, immer wenn die Harmonie in Text und Ton zu eskalieren droht, die Stacheln auszufahren. Plötzlich: Blitze statt Prinzessin. Die kongenialen Texte tun ihr übriges und genießen das Leben in der sinisteren Halbwelt zwischen Wohl und Wehe. Oder zwischen „Triumph and Agony“, wie es einst bei Doro Peschs Warlock hieß.

was wird
2002/2003 – Das Ergebnis der neusten Bemühungen ist die Platte „Alles Muß Schwimmen“. Die neben dem beloved Gitarren-Pop-Sound so richtig Türen und Fenster öffnet. Denn wo bei diversen Protagonisten Regress regiert und irgendein stumpfer Rock-Gestus aus besseren Tagen abgefeiert wird, geben sich grafzahl vielschichtig. Elektronische Momente machen zum Beispiel die Single des Albums, „Einkaufen Mit Getränken“ fast zu einem Electro-Clash-Smasher. Hit! Zu dem Song wurde bereits ein schön übergeschnapptes Video gedreht. Mit Hasen auf Rädern. Überhaupt: Soviele Ideen auf den Songs – und keine nervt. Alles muss klingen – und schwimmen. Die Nummer erschien auf dem befreundeten Kölner Label Tumbleweed. Und in aller Wohlerzogenheit ging man davon ab, die fragwürdige Bewerbung „Das Album Zur Jahrhundertflut“ zu verwenden. Denn auch ohne Selfmade-Provo wird das hier seinen Weg zu den vergnügten Mini-Punks und sonstigen Wut-Poppern finden. Und nicht zu knapp. Wir sind viele. Durchzählen! – (Linus Volkmann / 02.2003)